Ziel und Durchführung der Übung

Ziel der Übung ist es, die Vielschichtigkeit demokratierelevanter Aspekte in Gesprächen mit den Eltern sichtbar zu machen. In unserem ersten Video der Reihe sehen Sie einen kurzen Ausschnitt aus dem Kita-Alltag. Ausgehend von diesem Video werden Sie in dieser Übung …

  • demokratieförderliche und -hinderliche Aspekte im Umgang mit Eltern identifizieren
  • diese auf Erfahrungen in Ihrer Einrichtung zurückbeziehen und
  • erste Schritte entwickeln, um in Ihrer Einrichtung Impulse für eine demokratiefördernde Kommunikation mit Eltern in entsprechenden Situationen zu stärken.

Die Übung ist in vier Schritte unterteilt und dauert insgesamt ca. 75 Minuten. Zwischen den einzelnen Schritten können Sie bei Bedarf eine kleine Pause einlegen.

Im Alltag von frühkindlichen Einrichtungen gibt es häufig nicht einen einzigen richtigen demokratischen Kommunikationsweg. Auch spielen immer verschiedene demokratierelevante Dimensionen in Situationen hinein, sodass die Beteiligten in einer Hinsicht demokratiestärkend und in einer anderen Hinsicht aber zugleich demokratieschwächend kommunizieren und handeln können. Darum stellt diese Übung eine vielschichtige Alltagssituation in den Fokus, bei der es keine einfache und eindeutige „Lösung“ gibt.

Was ist demokratieförderliche Kommunikation?

Demokratie lebt vom aktiven Engagement der Menschen für sie. Sie ist darum nicht nur eine Regierungsform, sondern auch eine Gesellschafts- und Lebensform (Himmelmann). Als Form des alltäglichen Zusammenlebens baut Demokratie insbesondere auf der Akzeptanz der Pluralität von Meinungen und Lebensstilen, einem konstruktiven Umgang mit Meinungsverschiedenheiten und Konflikten, sowie der Berücksichtigung der Bedürfnisse Anderer auf. Zugleich gilt es, sich gegenüber menschen- und demokratiefeindlichen Einstellungen und Verhaltensweisen klar zu positionieren.

„Demokratie als Lebensform“ ist also eine Frage der Haltung, die wir in unserem Alltag einnehmen. Wichtig dabei ist, dass für die Kinder eine Lern- und Entwicklungsumwelt geschaffen wird, in der sie Grundfähigkeiten für ein demokratisches Leben entwickeln. Den frühen Erfahrungen von Kindern kommt dabei eine große Bedeutung zu.

Für unser Projekt Demokratisch. Gemeinsam. Wachsen. spielt die Kommunikation zwischen Fachkräften und Eltern für die Verwirklichung eines demokratischen und demokratieförderlichen Alltags der Kinder eine maßgebliche Rolle. Demokratieförderliche Kommunikation ermöglicht einerseits eine demokratische Beteiligung der Eltern an der Gestaltung der Einrichtung und dem Abbauen von Barrieren (hierzu unser Barrierespiel. Diversität von Eltern demokratisch begegnen). Andererseits erleichtert sie es, Eltern bei der demokratieförderlichen Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen. Durch Kommunikation werden die oben beschriebenen demokratischen Werte und Prinzipien vermittelt, vorgelebt und erfahrbar gemacht.

Kinderhände stapeln bunte Klötze.

Auf geht’s!

Schauen Sie sich das Video aufmerksam an.

(Video auf YouTube ansehen.)

1. Schritt

Beschreiben Sie, was im Video passiert. Nutzen Sie dabei diese Lückentext:

Der Vater kommt mit schnellen Schritten in die Kita und guckt ein paar Mal auf seine Uhr. Er begrüßt die Erzieherin. Die Erzieherin begleitet Elena zu ihrem Vater und lässt den Vater dann mit der Tochter alleine.
Elena setzt sich auf die Bank und der Vater zieht ihr die Schuhe an. Er fragt nach der Puppe und fordert Elena auf, die Puppe zu holen. „Hol sie, die war teuer“, fügt er hinzu.

Elena antwortet mit Stimme, dass sie die Puppe sowieso nicht in die Kita mitbringen wollte. Sie steht auf und .

Die Erzieherin, die vorm Spielraum steht, .
Der Vater .

Er berichtet, dass Elena eigentlich ein anderes Spielzeug mitbringen wollte, sie als Eltern dieses aber verhindert hätten. Die Erzieherin merkt an, .
Der Vater antwortet in einem Ton, .
Die Erzieherin antwortet .

Mit einer
Körperhaltung reagiert der Vater mit der Aussage, .

Elena holt in dieser Zeit die Puppe aus dem Zimmer, kommt raus und gibt ihrem Vater die Hand. Die Erzieherin wünscht ein schönes Wochenende. Der Vater antwortet mit einer verzerrten Mimik und einem abschätzigen Blick. Vater und Tochter gehen im Flur zum Ausgang, als Elena nach ihrer Jacke fragt. Der Vater antwortet mürrisch: „Die holen wir am Montag!“

In Zwischenablage kopieren

Klicken Sie auf „In Zwischenablage kopieren“ um Ihre angefertigte Beschreibung in Word oder jedes anderen Programm kopieren zu können (Windwos: Str. + v, Mac: Cmd. + v).

2. Schritt

Überlegen Sie, welche Stelle in der Szene Sie gefühlsmäßig besonders angesprochen hat. Wenden Sie sich dieser Stelle genauer zu, indem Sie sich folgende zwei Fragen stellen:

  1. Welches Gefühl löst diese Situation bei mir aus?
  2. Was assoziiere ich mit dieser Situation?

Bitte notieren Sie sich Ihre Antworten stichwortartig.

Kind sitzt auf einem Hochstuhl am Tisch und beobachtet Sie durch eine bunte Spielzeugkamera.

3. Schritt

Schauen Sie sich die in Schritt 2 ausgewählte und bearbeitete Sequenz noch einmal genauer an. Überlegen Sie sich drei Aspekte, die Sie besonders demokratieförderlich oder demokratiehemmend finden. Notieren Sie diese stichwortartig.

Bei Bedarf können Sie sich bei Ihren Überlegungen von unserer Sammlung der Top 7 der demokratieförderlichen Kommunikation inspirieren lassen.


Überlegen Sie nun, welche Handlungsmöglichkeiten es für die Fachkraft in der gezeigten Szene gibt. Wie könnte es nach dem Video weitergehen?

4. Schritt

Überlegen Sie, in welchen Momenten Ihrer beruflichen Praxis Sie ähnliche Situationen oder Dynamiken beobachten können? Was hätten Sie genauso und was hätten Sie bei einer vergleichbaren Situation in Ihrer Einrichtung anders gemacht? Inwieweit ließe sich die Kommunikation mit Eltern in Ihrer Einrichtung noch demokratieförderlicher gestalten? Orientieren Sie sich bei Ihren Überlegungen an denen von Ihnen in Schritt 3 notierten Aspekten.

Eine Kinderhand schüttet Sand aus einem Becher auf ein Holzgeländer.

Danke, dass Sie die Online-Übung Demokratieförderlich kommunizieren mit Eltern bearbeitet haben!

Wir versuchen dieses Angebot beständig zu verbessern. Wenn Sie Vorschläge oder Anmerkungen zur Gestaltung der Übung oder den Aufgabestellungen haben, würden wir uns über ein kleines Feedback freuen. E-Mail

Top 7 der demokratieförderlichen Kommunikation

  1. Benennen Sie den Fokus des Gesprächs und kommunizieren Sie transparent: Je konkreter Sie Ihr Anliegen und Ihre Bedürfnisse äußern, desto zielführender wird das Gespräch verlaufen. Eigene Erwartungen bezüglich Regeln, Pflichten und Erziehungsmethoden sollten deutlich formuliert werden, um Konflikte aufgrund von unklaren und auseinandergehenden Deutungsrahmen zu vermeiden.
  2. Schaffen Sie einen Raum für die Anliegen der Eltern: Geben Sie Eltern explizit und von Anfang an die Chance, auch eigene Interessen und Anliegen in das Gespräch einzubringen. Teilhabe in der Kommunikation ist Grundlage für eine demokratische Partizipation in der Einrichtung. Überlegen Sie, was es konkreten Eltern besonders erschwert, sich aktiv in Gespräche einzubringen. Nur, wenn die Menschn sich in ihrer sozio-kulturellen Individualität ernst genommen und akzeptiert fühlen, werden sie sich für ein gemeinsames Anliegen einbringen.
  3. Hören Sie vorurteilsbewusst zu: Wenn Sie ein Gespräch führen, dann sollte das Ziel sein, Ihr Gegenüber zu verstehen, nicht so schnell wie möglich zu antworten. Achten Sie darauf, ob Sie vor oder während des Gesprächs Stereotype gegenüber Ihrer Gesprächspartner*in wahrnehmen. Versuchen Sie, diese aus dem Gespräch herauszuhalten und anschließend für sich selbst zu reflektieren und ggf. aufzulösen.
  4. Differenzieren Sie die Sach- und Emotionsebene: Geht es Ihnen und Ihrem Gegenüber um Wissen, Meinungen, Bedürfnisse, Gefühle? Welche Seien Sie sich bewusst, dass Kommunikation auf mehreren Ebenen zugleich stattfindet. Auch ein Gespräch über Sachinformationen kann verschiedene Gefühle und Bewertungen auslösen.Mimik, Gestik, Sprache, Körperhaltung sagen mehr als Tausend Worte und „Ungesagtes“ ist eine unterschwellige Dynamik menschlichen Verhaltens.
  5. Trennen Sie Beschreibung und Bewertung: Die Trennung von Beschreibung und Bewertung einer Situation kann einen großen Einfluss auf den Gesprächsverlauf nehmen. Ein Gespräch sollte nicht mit einem Vorwurf oder einer Unterstellung beginnen, sondern mit der möglichst wertungsfreien Beschreibung eines beobachteten Verhaltens, einer Situation oder eines Problems. Dies schafft Raum für eine gemeinsame Bewertung, die Vorwürfe und Konfrontationen vermeidet. Zugleich können abweichende Perspektiven und Werte sichtbar werden, die einer Auseinandersetzung über den Fall hinaus bedürfen.
  6. Nutzen Sie verschiedene Kommunikationskanäle Eltern sind für verschiedene Formen der Kommunikation empfänglich. Nutzen Sie formelle und informelle Kommunikation um Eltern in ihrer Vielfalt zu erreichen. In Gesprächen können Gestik, Mimik und Körperhaltung eine Botschaft unterstützen oder stören. Elternbriefe ermöglichen formelle Sachinformation. Bildern können helfen Sprachbarrieren abzubauen. Egal für welche Form Sie sich entscheiden, ob Tür- und Angel-Gespräch, Aushang oder Eltern-E-Mail, Vertraulichkeit und Verbindlichkeit sind die Grundpfeiler einer gelingenden Kommunikation.
  7. Reflektieren Sie Machtverhältnisse in der Kommunikation: In wessen Namen sprechen Sie als Fachkraft? Sprechen Sie z. B. als einzelne Person, als Expertin oder im Namen der Einrichtung? Stellen Sie eine Kommunikation auf Augenhöhe sicher und vermeiden Sie Asymmetrien (Kollektiv vs. Einzelnen, Expert*in vs. Lai*in, gebildet/ungebildet …). Die Stärkung einer demokratischen Familienkultur kann nur in Partnerschaft mit Eltern gelingen.

Impressum

Herausgeber:
IFAK e.V., Bochum
Engelsburgerstr. 168
44793 Bochum

Konzeption:
Demokratisch. Gemeinsam. Wachsen. Eltern als Partner*innen der Demokratieförderung
www.ifak-bochum.de/DeGeWa

In Kooperation mit:
ExPO – Extremismus Prävention Online
ex-position.de

Gefördert vom: